Die Schüssel lag am Boden. Kleinste Scherben waren bis in die entferntesten Ecken der Küche vorgedrungen. Ich blickte auf mein Werk der Zerstörung und fragte mich, ob es das wirklich wert sei. Ja, ich hatte keine Geduld. Und ich wollte immer alles auf einmal erledigen. Auf scheinbar endlos langen Phasen, in denen ich mich vor Reizüberflutung in mein Bett zurückzock folgte der Druck des Abarbeitens. Dabei schlug ich mir, in meiner Wut, dass ich erst jetzt dazu kam eine Schneise durch sämtliche To-Do-Listen und allem, was mir in der Wohnung unaufgeräumt in die Finger kam. So auch diese unschuldige Müsli-Schüssel. Kurz bevor ich das Haus verlassen wollte, konnte ich sie schließlich noch spülen oder? IN meiner Hektik, möglichst 5 Dinge auf einmal zu tun fiel sie mir aus der Hand. Und zersplitterte buchstäblich in Tausend Stücke. Scherben bringen Glück nicht wahr? Doch das dachte ich nicht, als ich den Hund panisch aus dem Raum schob und mir beim Aufsammeln der großen Scherben in den Finger schnitt. Wie bei einem Eiertanz umkreiste ich die einzelnen Stücke der Scherben. Wie nach Murphey’s Law, nach dem das Brot immer mit der Marmeladenseite auf den Teppich fällt, waren die Scherben sogar über die Küchenschwelle hinausgespritzt. Während ich sie zusammenfegte, fragte ich mich, ob es das wirklich wert war, dass ich mich so hetzte. Ich schien keine Geduld mit mir zu haben und sobald ich wieder „auf dem Damm“ war nach einer Reizüberflutung musste das alles jetzt noch “schnell“ gemacht werden. Wirklich schnell? Während ich nun die kleinen fiesen Scherben wegsaugte, erinnerte ich mich an den Straßenkehrer Beppo aus Michael Endes „Momo“. Er sagte: „Wenn du deine Arbeit gut und voller Freude machen willst, dann denke nicht an die ganze Straße, die noch zu machen ist, sondern nur an den nächsten Besenstrich.“

Mein Scherbenhaufen schien ihm recht zu geben: Ich brauchte viel länger, um die Scherben zusammenzufegen, als wenn ich die Schüssel stehen gelassen und später gespült hätte. Ich fragte mich, was mir denn diese ganze Hast letztendlich brachte, wenn ich dadurch wie mit Tunnelblick durchs Leben ging und hinter mir auch noch die Scherben beseitigen musste. War es wirklich wichtig, alles so schnell zu machen? Beim Autofahren, auf der Arbeit, im Haushalt, bei meinen Projekten? Ich beschloss, öfter Pausen zu machen. Und so ist auch dieser Post erst nach einiger Zeit entstanden. Ich wünsche mir, und Ihnen liebe Leser, dass wir trotz aller Herausforderungen das wesentliche in diesem kurzen Leben nicht aus den Augen verlieren: Gesundheit und Lebensfreude.

Renate Weber

Hoffen wir, dass es bald wieder weitergeht mit unserem sozialen Leben. Auch wenn wir es jetzt vielleicht mehr zu schätzen wissen, als vor der Pandemie. Auf einen innerlichen & äußerlichen Neubeginn! In diesem Sinne, alles Gute J

Renate Weber

Was bedeutet es für mich, Hoffnung zu haben? Wahrscheinlich gibt es unterschiedliche Arten von Hoffnung, je nachdem wo wir gerade in unserem Leben stehen. Ich habe gerade einen schweren Schicksalsschlag hinter mir. Das erste, was ich dachte war: „Das ist jemand anderem passiert, nicht mir.“ Dass es einfach ein Fehler gewesen sein musste. Aber es war leider kein Fehler gewesen. Dann spürte ich eine ungeheure Wut: „Warum ich?!“, fragte ich mich. Und dann kam eine tiefe, unendliche Traurigkeit über mich. Sie war so allumfassend, dass ich nicht verstehen konnte, wie die Welt sich um mich herum weiterdrehen konnte. Mein Schicksal zählte nicht in dem großen Meer des Lebens. Und vielleicht ist das auch so. Wenn wir zu den Sternen aufschauen, dann wird uns für einen demütigen Augenblick bewusst wie unscheinbar unser kleines Leben ist. Als ich zu den Sternen schaute, kam plötzlich die Hoffnung „wieder zurück“. Inmitten all der Grausamkeiten, die das Leben hervorbringen kann, habe ich immer noch ein tiefes Vertrauen, dass es sich auch immer wieder zum Guten wenden kann. Und es gibt 2 Dinge, deren ich mir absolut sicher bin:

  1. Das Leben geht immer weiter. 2. Wir sollten nicht vergessen, dass das was im Moment ist, nicht ewig so weitergehen wird. Es wird sich ändern. Ob wir es wollen oder nicht, das einzige, was in unserem Leben konstant bleibt, ist die Veränderung.

Das sind die Gedanken, die ich mit Ihnen, liebe Leser, teilen wollte. Und vielleicht kann ich damit ja auch etwas Hoffnung geben in diesen herausfordernden Zeiten.

Renate Weber

 

Alles fing mit meinem Hund Tom an. Er hatte Angst vor Kindern, vor ihren unvorhersehbaren Bewegungen und ihren Rollschuhen. Er bellte sie an und zog an der Leine, wo immer er sie entdeckte. Ich konnte ihn nicht ablenken: Weder Leckerchen noch Schimpfen half. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, dass Tom nichts gegen Kinder hatte. Er fürchtete sich aber vor ihren Bewegungen und den schrillen Stimmen. Gassigehen wurde zu einem stressigen Unterfangen bei dem es beinahe unmöglich war, den Kindern auszuweichen. Eines Tages nahm ich all meinen Mut zusammen und klingelte bei meinen Nachbarn. Sie hatten 2 Kinder, Suzie (7) und Pete (5). Als ich meine Nachbarin fragte, ob eines ihrer Kinder mich und Tom auf unseren Spaziergängen begleiten würde, sagte sie ja. Ich hatte jedoch kein gutes Gefühl bei diesem „Experiment“ und so brachte ich Tom bei einen Maulkorb zu tragen. Es war ein Maulkorb durch den man dem Hund Leckerchen zuschieben konnte und so schmierte ich Leberwurst hinein. Anstatt weiterhin zu versuchen, den Maulkorb loszuwerden, war Tom nun mit Kopf im Nacken damit beschäftigt, seinen leckeren Inhalt auszuschlecken. Nach einer Woche, begann ich Suzie auf einen meiner Spaziergänge mitzunehmen. Sie mochte Hunde, hatte aber gleichzeitig auch Angst vor ihnen, besonders, wenn sie nicht an der Leine waren. Wie zu erwarten, fing Tom an, Suzie anzubellen und in die Leine zu gehen. Dies änderte sich augenblicklich, als ich Suzie meine Leckerchentüte überreichte. Nun folgte mein Hund ihr, wie ein Esel hinter einer Möhre hergaloppiert. Sie hielt Abstand zu ihm und jedes Mal, wenn er auf ihren Befehl „Sitz! Bleib!“ hörte, warf sie Leckerchen in seine Richtung. Wir gingen in das Naturschutzgebiet. Plötzlich kamen 3 Labradore aus dem Gebüsch und umkreisten Suzie, weil sie deren Leckerchen rochen. Sie fing an zu weinen, während ich noch versuchte die 3 Hunde wegzuschicken, was keine leichte Aufgabe war. Nach diesem Vorfall wollte Suzie nicht mehr den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren. Sie hatte Angst wir würden wieder den 3 Labradoren und anderen leinenlosen Hunden begegnen. Wir versuchten einen anderen Weg nach Hause zu laufen, aber es war hier genauso schwierig freilaufenden Hunden auszuweichen wie es zuvor unmöglich gewesen war, Kindern auszuweichen. Als ich Suzie fragte, wo sie denn nun hingehen wollte, antwortete sie „in den Park“. Das war eine gute Idee, denn im Park galt Leinenpflicht für Hunde. In den kommenden Wochen wurde der Park zu unserer Zuflucht. Hier suchten wir Löwenzahn und Gras für meine zwei Meerschweinchen. Suzie entspannte sich, während wir uns unterhielten und nach den besten Löwenzahnblättern Ausschau hielten. Insgeheim bewunderte ich sie dafür, dass sie immer noch mit auf unsere Gassigänge kam, obwohl sie sich vor Toms unerwarteten Bewegungen fürchtete und vor anderen Hunden ohne Leine. Es schien, als ob es ein „Muttraining“ für beide –Hund und Kind-war. So konnte ich Toms Maulkorb abmachen. Doch als ich ihn einmal freiließ, lief er um Suzie herum und so ließ ich ihn von da an an der Leine, wenn sie mitkam. Er sehnte sich nach ihren Leckerchen, so dass er morgens vor ihrem Haus anfing zu winseln. Dann-eines Tages-wollte auch Pete meine Meerschweinchen und meinen Hund sehen. Suzie, die die kleinen Nager schon kannte, zeigte ihrem Bruder stolz, wie er sie sicher zu halten hatte. Tom war an der Leine, so dass er nicht so nah an die Kinder herankommen konnte. Ich gab ihm Leckerchen, weil er nicht mehr versuchte an den Meerschweinchen zu schnuppern und sie abzulecken… Dann, nachdem wir die Meerschweinchen zurück in den Käfig gesetzt hatten setzte sich Pete Tom gegenüber auf den Boden. Man sah ihm an, dass er keine Angst vor dem Hund hatte und sehr neugierig war. Ich gab ihm ein Leckerchen und zu meinem großen Erstaunen hielt er es Tom auf der flachen Hand vertrauensvoll hin. –„Es ist leicht, wie wenn man Pferde füttert“, rief er stolz. „Auf Suzie, du streichelst doch auch den Jack Russel Terrier von den Nachbarn…“

Aber Suzie erstarrte. Sie fühlte sich unwohl, schrie die Meerschweinchen in ihrem Käfig an, holte sich ein Kinderbuch aus dem Regel und versteckte sich damit in einer Ecke. Sie war fast am Weinen und sagte mir, dass sie gerne auch Tom streicheln würde, aber es eben nicht konnte. Ich sagte ihr, dass das nicht schlimm sei, ob sie den Hund streichelte oder ob ihr Bruder schneller war. Was wichtig war, war dass sie trotz ihrer Angst immer noch mit uns spazieren ging. Und ich erzählte ihr, wie Tom vor ihrem Haus winselte, wenn sie nicht da war. Und dass manche Dinge im Leben einfach länger dauern als andere. Und hier kommt das Geheimnis: Angst haben und sie zeigen ist nicht ein Mangel an Mut, sondern das Gegenteil. Jeder von uns hat vor irgendetwas Angst. Die meisten von uns versuchen es zu verstecken, weil sie sich dafür schämen. Aber dieses Kind, sie hatte den Mut, „auf dem Pfad der Angst“ zu wandeln, nur um mit meinem Hund zusammen zu sein, den sie auch teilweise fürchtete. Letzten Endes dachte sie wohl, dass ihr jüngerer Bruder ihr die „Show“ stehlen würde, indem er Tom zuerst streichelte. Ich glaube, wir sind alle ein wenig wie sie, wenn wir uns die ganze Zeit mit anderen vergleichen, wo keine Vergleiche nötig und möglich sind. Jeder ist auf seine Art einzigartig. Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen. Das Geheimnis ist, dass wir unseren Weg trotzdem weiter gehen und dabei die Schwächen lernen zu akzeptieren und die Stärken lernen zu erkennen. Diese „Geschichte aus dem Leben“ wollte ich mit Ihnen, liebe Leser, teilen. Und ich wünsche Ihnen gesegnete Feiertage und ein gutes und weniger herausforderndes Jahr 2021!

 

Wenn ich auf die Kanaren reise, dann habe ich das Gefühl, als ob ich 2 Welten in mir vereinen kann. Die Lebensfreude und Spontanität und das Leben im Moment der Spanier und mein eher zurückhaltendes Naturell, wenn ich male, lese oder über das Leben nachdenke. Es ist wie eine Medallie mit 2 verschiedenen Seiten oder wie Ying und Yang, die sich gegenseitig ergänzen und auch zu kleinen Teilen beinhalten. Jetzt- in der Corona Krise- ist das Reisen beschwerlich und neben der möglichen Quarantäne vor Ort auch ein sehr hohes Risiko. Das macht mich traurig und gleichzeitig spüre ich, dass diese Situation noch lange so andauern wird. Doch ich weiß, dass ich auch in meiner Phantasie ans Meer reisen kann. Hirnforschungen zufolge unterscheidet unser Gehirn nicht zwischen einer tatsächlichen Reise ans Meer und einer Phantasiereise. Wenn ich mich auf diese Imaginationsreise einlassen kann, dann ist es beinahe so, als ob ich wieder im Meer paddle und die großen Wellen mich und mein Bougie-Bord an die Küste „fahren“. Deshalb habe ich auch dieses Bild gemalt: Die zwei Welten –Spanien und Deutschland- werden wieder zu einer einzigen-zu meiner Wirklichkeit. Doch natürlich kann ich die Menschen und die Lebensart nicht „nachahmen“ bei meinen Phantasiereisen. Und vielleicht ist das auch gut so. Denn es zeigt, dass der Kontakt zwischen uns Menschen unersetzlich ist und wertvoll. Er ist nur schwer durch digitale Medien zu generieren und meiner Meinung nach durch diese nicht 100% ersetzbar. Diese Gedanken und die Sehnsucht nach den Reisen im Außen wollte ich mit Ihnen liebe LeserInnen teilen.

Was ist Motivation? Und warum bin ich an einigen Tagen motiviert und an anderen nicht? Dieser Frage gehe ich in diesem Blog nach. Dabei spielt mein Assistenzhund Kalle eine wesentliche Rolle. Kalle ist nicht nur ein treuer Begleiter, sondern gleichzeitig auch ein Lehrer für mich. Es gibt sie, die Tage, wo er mich zunächst hinter sich herzieht. Doch dann passiert etwas Wunderbares: Ich sehe die Natur und meinen Hund mittendrin. Wie in diesem Bild, das ich “Der Erleuchtete” nenne, wird mir dann klar, wie wunderbar dieses Leben sein kann und dass ich die Kraft habe, seine Höhen und Tiefen zu meistern. Dieser “Lichtblick” hilft mir dann, in Aktion zu kommen. Ich warte nicht mehr auf die vermeintliche “Motivation”, sondern mache mich ans Werk. Allein das ist schon leichter als meine sich häufig einschleichende Lethargie zu ertragen. Oft habe ich mir Dinge schon tagelang vorgenommen und finde mich dann plötzlich vor dem Handy wieder. Mein Assistenzhund Kalle unterbricht diese Lethargie durch sein lebhaftes Wesen, seine Aufforderung zum Spiel und vor allem: unsere Spaziergänge in der Natur. An manchen Tagen merke ich, dass es keinen Sinn hat, mich zum Abarbeiten meiner To-do-Liste zu zwingen. Ich bin überreizt und brauche eine Pause. Ich versuche dann -mir an Kalle ein Beispiel nehmend- mich mit Dingen zu beschäftigen, die mir Kraft geben. Und ich habe gelernt, damit aufzuhören, mich dafür innerlich zu strafen, dass ich “nicht weitergekommen” bin. Denn ich weiß, dass ich am nächsten Tag durch diese innere Entspannung doppelt so viel Kraft habe, Dinge anzupacken. So zeigt mir Kalle täglich aufs Neue, dass unverhofft immer mal wieder das Licht durch die Wolken bricht und die Welt für mich verzaubert. Diese Gedanken wollte ich mit Ihnen, liebe Leser teilen.

Wenn ich morgens mit meinem Assistenzhund  Kalle spazieren gehe, bin ich noch müde und ungehalten. Meist ist es um 6 Uhr morgens, wenn mein schwarzer, fusseliger “Wecker“ mich wachstubst. Stelle ich mich weiter schlafend fängt er an immer lauter zu gähnen, was dann in ein genervtes Stöhnen übergeht und schließlich in ein gekränktes Bellen. Während mein Vierbeiner sofort in den Tag „booted“, brauche ich noch eine Tasse Espresso um meinen Kreislauf in den „Gassimodus“ hochzufahren. Das beobachtet er kritisch von der Küchentür aus. Denn die Küche ist der einzige Raum in meiner Wohnung, der nur mir vorbehalten ist.

Vorsichtig schiebe ich mir zum Kaffee noch ein paar Schokostücke in den Mund. Ich fühle mich beobachtet und als ich Kalle zuwende merke ich, dass dieser gerade die Augen verdreht. Er springt auf, rennt zur Wohnungstür und wieder zurück um mir unmissverständlich verstehen zu geben, dass es höchste Zeit für sein dringendes Bedürfnis ist. Hastig schütte ich den restlichen Kaffee in mich hinein.

Im Schlepptau werde ich buchstäblich in den Tag gezogen und Kalles Laune bessert sich erst als er gegen einen Poller pinkeln kann. Während ich mich in mein warmes Bett zurückwünsche, zieht mich mein Assistenzhund in Ausbildung wie ein Skilift durch die Landschaft. Über einen schmalen Feldweg kommen wir mitten in das Naherholungsgebiet. Hier ist es wunderschön: Die Sonne beleuchtet die Felder und Wiesen zunächst blutrot. Das Licht wird immer heller und innerlich verneige ich mich vor diesem fabelhaften Naturschauspiel. Wir sind weit genug weg von der Landstraße, so dass ich Kalle von der Leine lasse. Und schwupp -sehe ich nur noch die Spitze von seinem Schwanz und seine Ohren zwischen dem hohen Gras auf und niederhüpfen. An dieser Stelle habe ich immer die Wahl, ihn an der Leine zu lassen und danach mit einem wenig ausgelasteten Hund schlechter im Homeoffice arbeiten zu können. Oder ich lasse ihn frei und sehe zu wie er sich seiner Freiheit freut. Neben kreuzenden Kaninchen gibt es jedoch noch ein anderes Risiko: Kalle liebt Fuchsscheiße. Diese Möglichkeit eines negativen Ausgangs unseres gemeinsamen Spaziergangs kommt mir erst wieder ins Gedächtnis als ich Kalle abrufe und  anleine: Der Ring an seinem Geschirr scheint mit Dreck beschmiert. Als ich versuche, den Dreck abzurubbeln kommt mir der süßlich beißende Geruch der Fuchsscheiße entgegen. Mir wird übel. Mehr noch: Ich bin stinksauer. Die nächsten 2 Stunden sind vorprogrammiert: Ich muss erst den unwilligen Kalle duschen, und dann. da der Wiederholungstäter gegen die Waschprozedur ankämpft, mich selbst. Auch wenn es mir gelingt ihn gründlich danach abzutrocknen, sorgt ein weiteres Schütteln von ihm, dass ich nun auch das Bad putzen muss. Danach wandert sein Geschirr mit den vielen gebrauchten Handtüchern nebst meinen Anziehsachen in die Waschmaschine.

Ich fluche innerlich. Ich fluche nochmal, dass ich Kalle von der Leine gelassen habe. Ich versuche dies vor mir selbst zu rechtfertigen und rufe mir nochmal die Bilder in den Kopf wie Kalle durch das Feld zu fliegen scheint. Und in diesem Moment wird mir klar, dass Kalle mich gerade  mit seinen ganzen Macken zurück ins Leben holt. Durch ihn habe ich nicht nur mehr Arbeit, sondern gleichzeitig mehr Freude am Leben. Ich begreife, dass die Wohnung nie wieder so sandfrei werden wird wie ohne Hund. Doch wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, um wieviel reicher mein Leben an Naturerlebnissen, Begegnungen und ständiger Bewegung geworden ist, so ist Kalle jedes Sandkorn wert, dass er emsig zurück in die Wohnung trägt. Und das bringt mich auf einen Gedanken: Auch wenn ich morgens fluche, weil ich nicht so lange schlafen kann, weil ich mehr putzen muss, wenn Kalle sich in Fuchsscheiße wälzt, so stehen dem gegenüber die vielen Momente der Lethargie und der Starre, die mich „vor der Anschaffung von  Kalle“ haben ins Bett flüchten lassen. Und wenn ich das wie zwei Fotos nebeneinanderstelle, so fühle ich eine Welle von Dankbarkeit für diesen „wilden“ Assistenzhund in Ausbildung. Und ich begreife, dass er genauso richtig ist, wie er ist. Und während ich  Kalle mit dem Handtuch abrubbele und ihm den verhassten Hundebademantel umschnalle, da schaut mich der kleine Kerl so voller Vertrauen an, dass ich spüre, dass er Zeit seines Lebens mein treuer Begleiter bleiben wird.

Liebe LeserInnen,

Wie Sie vielleicht aus dem „Hammer der Woche“ vom 4.4.20 (https://www.zdf.de/politik/laenderspiegel/laenderspiegel-vom-4-april-2020-100.html) entnommen haben, braucht der Circus Barus dringend unsere Mithilfe.

Die Situation ist folgende: Obwohl der Zirkus durch die Corona –Krise keine Einkünfte hat, bekommt er keinen Cent Unterstützung vom Staat. Bei einem Anruf bei den zuständigen Behörden war die Auskunft: „Lassen Sie die 40 Zootiere schlachten oder verkaufen Sie sie an einen Zoo. Wenn Sie dann eine permanente Adresse haben, bekommen Sie Hartz IV.“ Der Zirkus hat eine Adresse im nordhessischen Schlitz, doch das genügt den Behörden nicht. Im Unterschied zu anderen Selbständigen bekommt der Zirkus keinerlei Unterstützung. Die Menschen dort sollen ihre Tiere und ihr „altes Leben“ verkaufen, um dann als Arbeitslose an staatliche Förderung zu kommen. Das ist nicht nur herzlos den Tieren gegenüber, sondern auch menschenverachtend den Schaustellern gegenüber. Gerade in einer Krisenzeit wie dieser wo es um Solidarität füreinander geht, ist es unverzeihlich, Menschen wie Tieren einfach die Existenz zunichte zu machen. Wie im „Hammer der Woche“ vom 4.4.20 geschildert, wollte die Stadt Offenbach den Zoo räumen lassen, mit der Begründung, die Artisten könnten ihre Tiere nicht versorgen. Durch den öffentlichen Druck der Reportage hat das Veterinäramt festgestellt, dass alle Tiere in gutem Zustand sind und artgerecht versorgt werden. Hier der Link zur Dokumentation über den Circus Barus:

Es hat sich gezeigt, wie wichtig es war, dass sich die Familie Frank, die den Circus Barus betreibt, gewehrt hat. Ein Zirkus ist in der Regel nach der Pause in einem Winterquartier darauf angewiesen, sofort wieder aufzumachen um Einnahmen zu machen. Da auch nicht auszumachen ist, wann der Zirkus seine Arbeit wieder aufnehmen darf, ist er auf Spenden angewiesen. Auch muss er weiterhin die Miete für den Platz bezahlen.

Ich bitte Sie, jeder von uns kann ein paar Euro erübrigen, um in dieser prekären Situation anderen zu helfen. Deshalb bitte ich Sie inständig, Ihr Herz nicht vor dieser Not zu verschließen und über Gofundme.com (Crowd Funding) ein paar Euro zu spenden. Diese kann ich dann dem Zirkus übergeben, wenn die Aktion abgeschlossen ist. Ich wollte selbst schon immer zum Zirkus und werde in dieser schweren Stunde dafür sorgen, dass sie ihr Geld erhalten und die 40 Tiere damit gerettet werden können.  Hier kommt der Link zum Crowd Funding für den Circus Barus:

gf.me/u/uxvg9ru

https://de.gofundme.com/

Wenn wir jetzt nicht handeln wird es nach der Krise keinen einzigen Zirkus mehr geben. Da sie alle –berufsbedingt- keinen festen Wohnsitz haben, stehen sie vor demselben AUS wie der Circus Barus. Falls Sie in Ihrer Umgebung ebenfalls einen „gestrandeten“ Circus haben, unterstützen Sie bitte diesen und leiten Sie diesen –oder ihren eigenen Aufruf weiter. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Renate Weber

Für mich ist Besonnenheit die Fähigkeit, zwischen den Dingen zu unterscheiden, die ich beeinflussen kann und denen, in die ich mich mit Demut fügen muss. Dazu gehören für mich meine beiden Fehlgeburten. Mittlerweile sehe ich sie als Teil des (meines) Lebens an. Ich weiß, dass ich bis zu einem gewissen Grad meine Schwangerschaften beeinflussen konnte: Durch die Einnahme von Folsäure und den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten. Und doch scheint es etwas zu geben, das größer ist als meine Einflussnahme auf das noch ungeborene Leben. Manche mögen es „Schicksal“ nenne, andere „Gott“ oder „Das Universum“. Was auch immer es für den einzelnen genau ist – es beginnt genau dort, wo mein eigener Einfluss und meine Anstrengungen keinen Effekt mehr haben. Es war und ist für mich sehr schwer zu akzeptieren, dass es an dieser unsichtbaren Grenze nichts mehr gibt, was ich tun kann. In den Wochen nach der Fehlgeburt drückte sich dieses Gefühl in einer unheimlichen Aggression gegen mich selbst aus-bis hin zu Selbstmordgedanken. Mittlerweile weiß ich, dass ich versucht habe dadurch die „Macht über die Situation“ zu behalten. Eine scheinbare „Macht“. Das hat mich sehr erschreckt und so versuche ich jeden Tag ein bisschen mehr mit Demut anzunehmen, dass es in meinem Leben Dinge gibt, die ich nicht ändern kann. Ich habe mir erlaubt, darüber zu trauern und gehe nun mit ein wenig mehr Demut durchs Leben. Demut, dass ich nicht allmächtig bin und Demut, dass der Tod ein Teil des Lebens ist, den ich nicht „aussperren“ kann. Und dann gibt es immer wieder Hoffnung und Trost wie ich sie in meinem Assistenzhund gefunden habe. Seine Lebensfreude und Neugier gehören zu den kleinen Wundern, die mich das Leben oft positiver sehen lassen. Diese Gedanken wollte ich mit Ihnen, liebe Leser, teilen.

Renate Weber

Was ist Gelassenheit? Gelassenheit bedeutet für mich in herausfordernden Situationen einen tiefen Atemzug zu nehmen, um erstmal Klarheit zu gewinnen. Es bedeutet für mich, im Umgang mit aggressiven Menschen erst einmal einen Moment lang nichts zu tun. Es ist erwiesen, dass heftige Gefühlsreaktionen auf solche Menschen häufig auf eine Verletzung in der Vergangenheit/Kindheit hinweisen. Ebenso ist es offensichtlich, dass viele Menschen ihre innere Unzufriedenheit (mit sich) bei anderen durch Anschuldigungen „abladen“ möchten. Wenn ich so ein „Manöver“ bemerke, bleibe ich still und beobachte was in mir passiert. Dadurch, dass ich mich schweigend abgrenze, trete ich aus dem ewigen Teufelskreis aus Rechtfertigung und gegenseitiger Abwertung heraus. Es gelingt mir immer wieder und immer mal wieder nicht. Wenn es mir nicht gelingt, werte ich mich dafür nicht ab, denn ich bin eine Übende-jeden Tag meines Lebens. Wenn es mir gelingt, fühlt es sich erst einmal fremd an. Ganz so als hätte ich den anderen tatsächlich doch mit Erklärungen  davon überzeugen können, dass ich in Ordnung bin. Mittlerweile ist mir bewusst, dass es vielmehr darauf ankommt, dass ich mich selbst in Ordnung finde. So kann ich –ähnlich wie im Tai-Chi, den Aggressor durch „innere Stärke“ abwehren, indem ich ihm wenig Angriffsfläche biete und meine Energie bei mir behalte. Hierzu gibt es eine schöne Anekdote aus dem englischen Unterhaus: Ein Lord wurde auf’s Übelste von einem Abgeordneten beschimpft. Er jedoch blieb gelassen und ging still in sich hineinlächelnd weiter. Er wurde daraufhin von einem anderen Abgeordneten angesprochen: „Warum hast du ihm nichts erwidert?“ –„Es war nicht notwendig“, antwortete der Lord daraufhin.

Das wollte ich mit Ihnen, liebe Leser, teilen.

Renate Weber

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